Montag, 2. November 2026

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Gold, Saddam und ein Mittagessen: Obamas Cheesecake-Spott wird zum Schlagabtausch vor den Midterms

Barack Obama verglich das umgebaute Weisse Haus in Cleveland mit einem Lokal von Saddam Hussein. Trump, Finanzminister Bessent und das Weisse Haus konterten, zwei deutschsprachige Podcasts sahen darin vor allem Show.

Wenige Tage vor den Zwischenwahlen vom 3. November ist Barack Obama der gefragteste Wahlkämpfer der Demokraten. Am Mittwoch trat er laut Atlanta News First in Morrow bei Atlanta für Senator Jon Ossoff und die Gouverneurskandidatin Keisha Lance Bottoms auf. Für die meisten Schlagzeilen sorgte aber ein Satz, den er vier Tage zuvor in Ohio gesagt hatte.

Gold, Ballsaal, Helikopterlandeplatz

Am Samstag, 24. Oktober, sprach Obama im Public Auditorium von Cleveland für Sherrod Brown, der den republikanischen Senator Jon Husted herausfordert, und für Amy Acton, die gegen Vivek Ramaswamy um das Gouverneursamt kämpft. Das berichtete Fox News Digital. Obama zählte Trumps Bauprojekte auf, den geplanten Ballsaal, den umgebauten Rosengarten und den neuen Helikopterlandeplatz, und spottete über die viele Goldverzierung: «Er hat das Weisse Haus so aussehen lassen, als hätte Saddam Hussein eine Cheesecake Factory eröffnet.» Trump scheine sich vor allem für Hausrenovationen zu interessieren, er gehöre eigentlich ins Heimwerkerfernsehen. Der ernstere Teil der Rede galt den Energiepreisen: Trump habe «einen unnötigen Krieg begonnen, um den niemand gebeten und über den niemand abgestimmt hat», sagte Obama mit Blick auf den Konflikt mit Iran.

Trump, Bessent und das Weisse Haus kontern

Trump antwortete am Montag, 26. Oktober, vor Journalisten auf der Joint Base Andrews: «Dass Sie sagen, es sei eine Cheesecake Factory, zeigt nur, warum Sie ein lausiger Präsident waren.» Obama habe Schmutz und Schäden übersehen, die Wände seien jahrelang nicht gereinigt worden, zitierte ihn die Agentur AFP in The Standard. Am Abend kam er bei einem Auftritt in Mississippi für Senatorin Cindy Hyde-Smith darauf zurück und lobte die Kette als sehr erfolgreiches Unternehmen, wie Scripps News berichtete.

Finanzminister Scott Bessent ass am selben Tag in einer Cheesecake Factory in Washington zu Mittag und nannte Obama dort laut KOMO «der Mann, der das Museum gebaut hat, das wie Darth Vaders Grabmal aussieht», eine Anspielung auf Obamas Präsidentenzentrum in Chicago. Obamas Bemerkung mache sich über die Amerikaner lustig, die gerne in der Kette essen, argumentierte Bessent. Das Weisse Haus verbreitete auf X eine Spott-Speisekarte, und Rick McCormack, früher Designchef der Kette, sprach gegenüber CNN von der «Kleinlichkeit der Politik» (KATU).

Wer bezahlt?

Hinter dem Witz steckt eine Sachfrage. Trump betont, der Ballsaal werde privat finanziert; es sei «alles mein Geld und das Geld von Spendern», sagte er im Mai laut E&E News. Gleichzeitig wollten die Republikaner rund eine Milliarde Dollar für damit verbundene Sicherheitsausgaben des Secret Service in ein Gesetz packen; die Parlamentarierin des Senats befand im Mai, das verstosse gegen die Regeln des Budgetverfahrens. Wie es um diese Mittel heute steht, liess sich nicht feststellen. Auch Obamas eigenes Bauprojekt ist nicht billig: Laut Fox News Digital übersteigen die Kosten des Obama Presidential Center eine Milliarde Dollar, fast das Dreifache der ursprünglich veranschlagten 350 Millionen; dazu kommen Hunderte Millionen an öffentlichen Infrastrukturkosten für die Steuerzahler.

Was die Podcasts sagen

In «KONTRAFUNK aktuell» vom 30. Oktober nannte Redaktor Colin McMahon Obama «ein Entertainer, er ist auch ein Showtalent». Dass die Demokraten ihn aufbieten müssten, zeige, «dass ihre Bank sehr leer ist»; Kamala Harris locke «keinen hinter dem Ofen hervor». Den Spruch fand McMahon witzig, Bessents Restaurantbesuch aber einen gelungenen Konter: Obama sei abgehoben, normale Leute mögen solche Lokale. Ein Detail stimmt nicht: Die Cheesecake Factory ist keine Fastfood-Kette, sondern eine Restaurantkette mit Bedienung.

Im «TE Wecker» von Tichys Einblick nahm USA-Korrespondentin Susanne Heger die Bemerkung als Beispiel dafür, wie Trump in Teilen der Medien als «der grosse Idiot» dargestellt werde. Sie schilderte eine Trump-Kundgebung in Südwestflorida, die sie «vergangene Woche» besucht habe: Die Halle sei überfüllt gewesen, und Trump habe die Cheesecake-Bemerkung aufgegriffen und erklärt, das Weisse Haus sei nun renoviert, der Sanierungsstau früherer Präsidenten behoben, so gehe ein Immobilienfachmann mit einer Liegenschaft um. Überprüfen liess sich das nicht: Die einzige gefundene Kundgebung in der Region war in Fort Myers am Freitag, 23. Oktober, angesetzt, also einen Tag vor Obamas Rede in Cleveland.

Beide Sendungen sahen im Schlagabtausch vor allem Unterhaltung und ein Zeichen für Trumps ungebrochene Mobilisierungskraft. Auf Obamas eigentliches Argument, die Energiepreise, ging keine von beiden ein.

Klartext

Der Schlagabtausch ist gute Unterhaltung, aber er lenkt von den Fragen ab, die Wähler tatsächlich betreffen. Obamas Spott über Gold ist billig, solange der Ballsaal tatsächlich privat bezahlt wird; legitim wird die Kritik dort, wo Steuergeld für Sicherheit und Infrastruktur fliessen soll, und das gilt für Trumps Ballsaal ebenso wie für Obamas Präsidentenzentrum. Dass Obama den Satz über den Krieg und die Energiepreise hinter einer Pointe versteckte, sagt einiges über den Zustand seiner Partei: Ihr bester Redner ist ein Mann, der seit fast zehn Jahren nicht mehr im Amt ist. Die Republikaner wiederum punkten mit einem Mittagessen in einer Restaurantkette, liefern damit aber keine Antwort auf die Frage, wer die Rechnung für die steigenden Energiekosten bezahlt.

«Barack Obama ist ein Entertainer, er ist auch ein Showtalent.»

– Colin McMahon, «KONTRAFUNK aktuell», 30. Oktober 2026

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