Montag, 2. November 2026

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International · Wall Street

Tech-Ausverkauf an der Wall Street: Anleger stellen die Rechnung für die KI-Milliarden

Alphabet erlebt den schwersten Kurstag seiner Geschichte, Intel den schlechtesten seit 1974, und Meta holt sich 37,5 Milliarden Dollar bei Aktionären. Der Nasdaq fiel am Freitag um fast 3 Prozent.

Die Berichtssaison der grossen Technologiekonzerne hat der Wall Street die schwächste Woche seit Monaten beschert. Am Freitag, 30. Oktober, schloss der Nasdaq Composite laut Yahoo Finance 2,86 Prozent tiefer bei 25'437 Punkten, der grösste Tagesverlust seit Juni. Der S&P 500 fiel um 1,82 Prozent auf 7580 Punkte, der Dow Jones um 1,09 Prozent auf 51'770 Punkte. Der Halbleiterindex verlor an einem einzigen Tag 7,2 Prozent. Alle Kursangaben in diesem Artikel beziehen sich auf den Börsenschluss in New York vom 30. Oktober 2026.

Alphabet: Das Suchgeschäft enttäuscht

Am Donnerstag verlor die Google-Mutter Alphabet laut StockTitan 12,6 Prozent, den grössten Tagesverlust ihrer Geschichte. Rund 475 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich laut Yahoo Finance auf. Der Umsatz mit der Suche stieg zwar um 12 Prozent auf rund 63 Milliarden Dollar, erwartet hatten Analysten aber etwa 65 Milliarden. Das Cloud-Geschäft verdoppelte sich mehr als, doch der freie Cashflow drehte wegen der KI-Investitionen auf minus rund 9 Milliarden Dollar. Jeffrey Wlodarczak von Pivotal Research meinte, die Pessimisten würden darin das erste Quartal sehen, in dem KI dem Suchgeschäft ernsthaft schade. Angelo Zino von CFRA hielt den Rückschlag dagegen für eine mögliche Kaufgelegenheit. Auch gute Zahlen von Microsoft, dessen Cloud-Geschäft Azure um 48 Prozent wuchs, hielten den Markt nicht: Der S&P 500 gab am Donnerstag 0,3 Prozent nach, der Nasdaq 1,4 Prozent.

Intel und Amazon: Die Rechnung kommt nachbörslich

Nach Börsenschluss am Donnerstag folgten Intel und Amazon. Intel übertraf zwar die Erwartungen für das dritte Quartal (Umsatz 16,5 Milliarden Dollar), stellte für das vierte Quartal aber nur 15 bis 16 Milliarden in Aussicht. Analysten hatten laut Yahoo Finance mit rund 17 Milliarden gerechnet. Intel begründete das mit einem stärker als erwarteten Rückgang im PC-Geschäft, nach dem Ende des Supports für Windows 10 und bei steigenden PC-Preisen. Am Freitag schloss die Aktie 28,6 Prozent tiefer bei 65,76 Dollar, laut Yahoo Finance der schlechteste Tag seit 1974. AMD verlor 10,9 Prozent, Nvidia 4,2 Prozent.

Amazon steigerte den Umsatz um 12 Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft AWS wuchs um 39 Prozent. Den Ausschlag gab jedoch das Geld: Über zwölf Monate flossen 42,4 Milliarden Dollar mehr ab als zu, ein Jahr zuvor war es noch ein Zufluss von 14,8 Milliarden. Gleichzeitig hält Amazon an KI-Investitionen von 220 Milliarden Dollar für 2026 fest. Nachbörslich fiel die Aktie zeitweise um 10 Prozent, am Freitag schloss sie nur noch 1,4 Prozent tiefer.

Meta finanziert die KI mit neuen Aktien

Wie teuer das Wettrüsten ist, zeigte Meta. Der Facebook-Konzern platzierte am 26. Oktober 40 Millionen neue Aktien zu je 625 Dollar, also 25 Milliarden, aufgestockt von geplanten 22,5 Milliarden. Dazu kamen laut Yahoo Finance 12,5 Milliarden Dollar in Pflichtwandel-Vorzugsaktien. Ab 2027 will Meta über ein Programm von bis zu 60 Milliarden Dollar laufend stimmrechtslose Aktien verkaufen; das ist eine Absicht, noch keine Vereinbarung. Der Grund: Im letzten Quartal gab Meta fast 34 Milliarden Dollar für Bauten und Ausrüstung aus und erwirtschaftete knapp 33 Milliarden, der freie Cashflow war erstmals seit 2012 negativ.

Was die Podcasts sagen

Im «Börsenwecker» von Tichys Einblick fasste Moderator Philipp Mattheis den Donnerstag am Freitagmorgen knapp zusammen: «Der ganze Tech-Sektor wurde gestern verprügelt.» Alphabets Schwäche erklärte er damit, dass im Internet weniger gegoogelt und öfter KI-Anbieter wie ChatGPT gefragt würden. Bei Intel sah er teure Speicherchips als Ursache, die Computer verteuerten und den Absatz drückten. Sein Intel-Minus von 20 Prozent entsprach dem nachbörslichen Stand, nicht dem späteren Schlusskurs.

In «Weltwoche Daily» sprach der Investor Leonhard Fischer, der 2023 in den Verwaltungsrat der Weltwoche Verlags AG gewählt wurde, von einer Achterbahnwoche. Er verwies auf die Meta-Platzierung und sagte, der Konzern wolle insgesamt 100 Milliarden aufnehmen. Belegt sind 37,5 Milliarden plus das geplante 60-Milliarden-Programm. Intel sei am Nachmittag um 26 Prozent gefallen. Fischer kritisierte gegenseitige Finanzierungsgeschäfte unter KI-Firmen, die er mit einem Kettenbrief verglich, und Gründer, die sich über Stimmrechtskonstruktionen dauerhaft die Kontrolle sichern, etwa beim Börsengang von Anthropic, dessen Prospekt am 26. Oktober öffentlich wurde. Sein Fazit: In der Branche stecke auch eine Menge heisse Luft.

Beide Sendungen sehen die KI-Ausgaben als Kern des Problems. Mattheis argumentierte von den einzelnen Geschäftsmodellen her, Fischer von der Finanzierung und der Unternehmensführung der ganzen Branche.

Klartext

Was die Woche zeigt, ist kein Versagen des Marktes, sondern sein Funktionieren: Anleger fragen, wer die Hunderte Milliarden für Rechenzentren bezahlt und wann sie sich auszahlen, und bestrafen Firmen, deren Cashflow ins Minus kippt. Meta finanziert sich bereits über neue Aktien, also mit dem Geld der Aktionäre. Wer über Indexfonds spart, trägt dieses Risiko mit, weil wenige Tech-Konzerne die grossen Indizes dominieren. Fischers Kritik an Strukturen, die Gründer unabhängig von ihrem Kapitalanteil absichern, trifft einen wunden Punkt: Wer das Geld gibt, sollte auch mitreden können. Ob die Korrektur eine Übertreibung bereinigt oder erst beginnt, weiss heute niemand.

«Der ganze Tech-Sektor wurde gestern verprügelt.»

– Philipp Mattheis, «Tichys Börsenwecker», 30. Oktober 2026

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