Montag, 2. November 2026

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Texas und Michigan: Glaube und Familie statt Benzinpreise im Senats-Schlussspurt

In Texas liegen Talarico und Paxton gleichauf, in Michigan führt El-Sayed trotz Vorwürfen gegen seine Familie knapp. Zwei Rennen, die über die Senatsmehrheit mitentscheiden könnten.

Ob die Republikaner am Dienstag den Senat halten, hängt an einer Handvoll Rennen. Zwei davon zeigen, wie dieser Wahlkampf endet: In Texas und in Michigan dreht sich der Schlussspurt weniger um Benzinpreise und Zölle als um Glauben, Herkunft und den Charakter der Kandidaten. In beiden Staaten liegen die Bewerber nahe beieinander.

Texas: Ein Patt im roten Kernland

In Texas tritt der demokratische Staatsabgeordnete James Talarico gegen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an. Paxton hatte im Mai mit Trumps Unterstützung den amtierenden Senator John Cornyn in der Stichwahl deutlich geschlagen (TPR). Er bringt Altlasten mit: 2023 wurde er vom texanischen Repräsentantenhaus angeklagt und vom Staatssenat freigesprochen. In der jüngsten Umfrage von Fox News (15. bis 19. Oktober, 1398 wahrscheinliche Wähler) liegen beide bei 49 Prozent; im September hatte Talarico noch mit 51 Prozent geführt (Fox 7 Austin). Gewinnt Talarico, wäre er der erste Demokrat aus Texas im Senat seit Lloyd Bentsen 1988.

Die Republikaner zielen vor allem auf Talaricos Religion. Der bekennende Presbyterianer, der am Austin Presbyterian Theological Seminary Theologie studiert, hatte im Oktober 2021 im texanischen Parlament in einer Debatte über Transgender-Athleten gesagt, Gott sei nicht-binär. Paxton machte daraus einen Werbespot, der Talarico vorwirft, den Glauben für eine radikale Agenda einzuspannen (Christian Post). Dazu kam Talaricos Abwesenheit vom Wahlkampf Anfang Oktober. Seine Kampagne sprach von einer Grippe. Online verbreitete Behauptungen, er sei in einer psychiatrischen Klinik in Ohio behandelt worden, wies ein Faktencheck von AP und «Texas Tribune» als falsch aus; die Klinik selbst erklärte, Talarico sei nie dort behandelt worden (KBTX).

Michigan: Vorwürfe gegen die Familie

In Michigan verteidigen die Demokraten den frei werdenden Sitz von Gary Peters. Ihr Kandidat Abdul El-Sayed, früher Leiter des Gesundheitsamts von Detroit, trifft auf den Republikaner Mike Rogers, den ehemaligen Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der 2024 nur knapp unterlegen war (Fox 7 Austin). Gewinnt El-Sayed, wäre er laut Reuters der erste Muslim, der in den US-Senat gewählt wird.

Den Wahlkampf beherrschen seit Mitte Oktober Berichte über angebliche Verbindungen seiner Familie zur Muslimbruderschaft. Ausgangspunkt sind Beiträge seiner Halbschwester Eman Abdelhadi aus den Jahren 2012 und 2013, die das konservative Portal «Washington Free Beacon» ausgegraben hat. Darin schrieb sie, ihre Familie gehöre seit langem zur Bruderschaft, und die gemeinsame Mutter sei in den 1970er-Jahren als Studentin in Ägypten in der Organisation aktiv gewesen (Fox News). Belege, dass El-Sayed selbst je an der Bruderschaft beteiligt war, gibt es nach den Berichten nicht (TNND). El-Sayed bestreitet jede Verbindung, nannte die Beiträge Hörensagen und wirft Rogers vor, seinen Glauben statt seiner Positionen anzugreifen. Trump nannte El-Sayed an einer Kundgebung in Port Huron einen Dschihadisten und ein Mitglied der Muslimbruderschaft; Reuters hielt fest, dass die Vorwürfe ohne Belege erhoben werden (Reuters via Arab News).

Geschadet hat es El-Sayed in den Umfragen bisher kaum. Die Erhebung der Glengariff Group für WDIV und «Detroit News» (19. bis 22. Oktober) sieht ihn mit 51,4 zu 45,1 Prozent vorn (ClickOnDetroit), Marist mit 50 zu 48 Prozent.

Was die Podcasts sagen

Bei «Kontrafunk aktuell» sah Redaktor Colin McMahon beide Rennen zugunsten der Republikaner kippen. Paxton sei zwar schwach und habe «jede Menge Gepäck», doch Trump und Paxton hätten Talaricos Aussagen erfolgreich gegen ihn gewendet; über Talaricos Abwesenheit werde spekuliert, seine Kampagne spreche von Krankheit. Über El-Sayed sagte McMahon, die ganze Familie sei mit der Muslimbruderschaft verstrickt, und nannte auch eine Schwägerin; das geht über die belegte Berichterstattung hinaus, die sich auf die Beiträge der Halbschwester stützt. Einige Angaben stimmen nicht: El-Sayed war nicht Gesundheitsminister, sondern Leiter der Gesundheitsbehörden von Detroit und Wayne County, und die Mutter soll laut der Halbschwester in den 1970er-, nicht den 1990er-Jahren aktiv gewesen sein. Mit den Enthüllungen werde ein demokratischer Senatssieg immer unwahrscheinlicher, meinte McMahon; ein 49-zu-49-Patt in Texas sei eher ein Vorteil für die Republikaner, weil Trump-Wähler in Umfragen untervertreten seien.

Im Nebelspalter-Podcast «Bern einfach» sagte der Ringier-Journalist Peter Hossli, die einzelnen Senatsduelle seien spannender als Trump selbst. Mit Talarico, einem christlichen Demokraten, habe die Partei in Texas erstmals seit Jahrzehnten wieder eine echte Chance auf einen landesweiten Sieg; im traditionell demokratischen Michigan dagegen könne El-Sayed verlieren. Auf die Vorwürfe zur Muslimbruderschaft ging Hossli nicht ein. Beide Sendungen sehen Michigan damit für die Demokraten wackeln; die jüngsten Umfragen stützen das nur bedingt.

Klartext

Beide Rennen zeigen, wie ein Wahlkampf über Identität und Verdacht die Sachfragen verdrängt, die den Wählern laut allen Umfragen am wichtigsten sind: Preise, Energie, Staatsausgaben. Talaricos Theologie ist ein legitimes Thema, denn er bringt sie selbst in die Politik ein. Bei El-Sayed liegt die Sache anders: Fragen nach seinen Positionen zu Israel, zum Islamismus und zu seinem Umfeld sind berechtigt, eine Haftung für Beiträge einer Verwandten und für Jahrzehnte alte Aktivitäten seiner Mutter dagegen nicht. Wer ihn einen Dschihadisten nennt, ohne Belege vorzulegen, schadet der eigenen Glaubwürdigkeit mehr als dem Gegner. Entscheiden sollten die Wähler über Programme, nicht über Familienstammbäume.

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